Lissabon

Ende Oktober zog es mich in das noch spätsommerliche Lissabon in Portugal, nachfolgend findet ihr einige Eindrücke zu Restaurants, Märkten und einer Food Tour.

IIIMpar

Nach einem angenehmen 3,5 Stunden Flug von Wien zog es mich am Abend in das Restaurant IIIMPAR. Ausgesucht habe ich es schon im Vorfeld auf Grund der Bewertungen auf Tripadvisor. Es empfiehlt vorher zu reservieren, da das Restaurant meist sehr gut besucht ist. Wie bei viele Restaurants in Portugal ist auch hier eine Reservierung über thefork.pt bzw. der Mutterplattform Tripadvisor möglich, eine sehr einfache und schnelle Reservierung ist hier möglich.

Im IIIMPAR angekommen, wurde ich sehr freundlich vom Personal in perfektem Englisch empfangen. Mich erwartete eine sehr offenes helles Ambiente mit einer offenen Küche, deren Mittelpunkt ein großer Grill bildet, demensprechend ist die Karte auch sehr steaklastig.

IIImpar

Ich entschied mich als Vorspeise für eine Wachtel „portuguese style“. Serviert wurde eine zerteilte Wachtel inklusive aller Knochen, in einer sehr schmackhaften dunklen Soße mit gepickeltem Blumenkohl und Karotten. Abgerundet wurde das Gericht mit einer Kresse. Insgesamt ein hervorragender Einstieg in den Abend, man muss es aber mögen, dass das Fleisch nicht ausgelöst ist und man hier selbst Hand anlegen muss.

IIImparWachtel

Beim Hauptgang habe ich mich für einen gegrillten Pulpo entschieden. Dieser wurde in einer hervorragenden Konsistenz serviert, außen mit einer äußerst schmackhaften Kruste mit kräftigen Röstaromen, das weitere Fleisch präsentierte sich extrem weich und schon fast mürbe. Als Beilagen gab es Kartoffeln in der Schale serviert mit einem Röstgemüse, hier fehlte es ein wenig an Bums, etwas mehr Kräuter oder Knoblauch wären wünschenswert gewesen. Aber insgesamt auch ein sehr gelungener Hauptgang.

IIImparPulpo

Zum Abschluss gab es einfach nur Schoggi pur und dies in vierfacher Ausführung. Mousse, Pudding, Trüffel und ein Sponge. Passend dazu gab es den typischen portugiesischen Kirschlikör „Ginja“. Eine hervorragende Kombination, einfach pure Schokolade in verschiedenen Konsistenten mit dem kräftigen Kirschgeschmack des Likörs.

IIImparSchoggi

Alles in Allem ein gelungener Abend mir einem soliden Dreigangmenü zu einem sehr fairen Preis.

pesca

Am zweiten Abend zog es mich in das Fischrestaurant „pesca“ von Chef Diogo Noronha. Die Wahl für diese Restaurant viel im Vorbeigehen und den Ausblick von der Straße auf die offene Küche und die Bar, die auch Getränke durch das Fenster für einen kurzen „Drink on the sidewalk“ serviert. Reservierung einfach über die Homepage und die automatische Weiterleitung auf eine Plattform von „thefork“.

Als Aperitif wählte ich einen Cocktail, der schon auf der Karte Spannung erzeugte. „Gin Mare“ mit Erbsen und Kaffir Limette. Eine außergewöhnliche aber hervorragend korrespondierende Kombination, ein perfekter Einstieg in ein Fischmenü.

Ginerbse

Passend zu dem Aperitif folgte der erste Gang, ich entschied mich für drei frische Austern mit eingelegter Gurke, Zitrone und Queller auch als Salicorn bekannt. Eine unglaubliche Kombination, Meer pur mit dem frischen der Zitrone und der Gurke, die alles harmonisch abrundet. Ein me(e)(h)r als gelungener Einstieg in das Menü.

pescaustern

Jakobsmuscheln im Pancettamantel bildeten die Basis für den nächsten Gang. Diese wurden in einer Erbsensuppe mit Fenchelgemüse und einem Chip aus grünem Spargel serviert. Insgesamt auch eine sehr gelungene Kombination, wobei hier die Qualität der Jakobsmuscheln den Höhepunkt des Gangs bildete.

Scalloppesca

Zum Hauptgang gab es wieder einen Pulpo, ja ich liebe dieses Meerestier. Der perfekt gebratene und mit einer traumhaften Konsistenz servierte Oktopus wurde begleitet von einem sehr feinen Süßkartoffelpürre, Süßkartoffelchips, die einen knusprigen Akzent bildeten. Ein weiterer Begleiter stellte Romanasalat dar, eine durchaus sehr gefällige Kombination. Durch den fein über den Teller verteilten Algenpowder wurde wieder das Meer ins Spiel gebracht, dies rundete den Gang ab. Ein durchaus gelungener Gang ohne Ecken und Kanten, der durch Harmonie und einem angenehmen Mundgefühl glänzt.

pescapulpo.jpg

Den Abschluss im pesca bildetet Schoggi und Karamell. Die Schoggi wurde in einer überdimensionierten Praline serviert, mit einer herrlich cremigen Schokoladenfüllung. Begleitet wurde die Praline von Karamell und einer Schokosauce. Ein perfekter süßer Abschluss.

pescaschoggi

Das pesca ist ein junges Restaurant, welches sich auf das Thema Fisch und alles aus dem Meer konzentriert. Dies wird auf einem extrem hohen Niveau abgebildet und lässt kaum Wünsche offen. Für mich eine der absoluten Topadressen in Lissabon, die Ihren Weg nach oben machen wird.

LOCO Restaurant

Mit Abstand das kulinarische Highlight meines Lissabon Trips war das „LOCO“ by Alexandre Silva, ein 1* Stern Michelin Restaurant bei dem regionale portugiesische Produkte im Mittelpunkt stehen. Die meisten Gericht sind Fisch und Seafood lastig, aber auch die Fleischliebhaber kommen nicht zu kurz. Ich habe einige Wochen im Voraus online einen Tisch reserviert, dies klappte problemlos, mit dem Hinweis, dass ich zur Bestätigung am Vortag nochmals telefonisch kontaktiert werde. So klingelte am Vortag mein Handy und das Loco Team meldete sich ob meine Reservierung ok geht und um sich nochmals abzusichern ob es von meiner Seite Unverträglichkeiten oder absolute Food No-Gos gibt, da es nur zwei Überraschungsmenüs gibt. Meine Vorfreude stieg, da ich solche Überraschungen extrem liebe.

LocoLogo

Im Loco angekommen wurde ich sehr freundlich vom Team empfangen und zu meinem Tisch begleitet. Sehr beindruckt hat mich das moderne Design und die offene Küche, in der man herrlich das Treiben der Köche und des Service beobachten kann.

Als Aperitif habe ich einen portugiesischen Winzersekt gewählt, der ohne Problem mit dem ein oder anderem Brausegetränk aus Champagne mithalten konnte.

Gleichzeitig offerierte man mir die „Speisekarte“, wobei das Wort Karte eher maßlos übertrieben ist, es stehen zur Wahl 14 Momente (Discover Menu) oder 18 Momente (LOCO Menu). Da fällt die Wahl nicht schwer und zack wurde das LOCO Menü gewählt. Nachfolgend findet Ihre meine persönlichen Highlights aus dem Menü.

Eines dieser Highlights bildeten die Schwertmuscheln in einer leichten Asia Vinaigrette mit Frühlingszwiebeln. Die Muschel wurde roh belassen und so konnte Sie ihren vollen Geschmack entfalten. Eine herrliche Kombination aus dem vollen Geschmack des Meeres mit leichten frischen Asia Noten.

Schwertmuschel.JPG

Bei Brot und Butter winken viele ab und denken an den Start eines Menüs bei dem belanglose Scheiben aus Weizenmehl mit einer Butter serviert werden, um den Gast erstmal ruhig zu stellen. Anders im LOCO, hier bildet das Brot eines der Highlights des Menüs, serviert wird das hausgebackene Brot (ohne Hefe) mit einem fruchtigen Olivenöl, einer aromatisierten Butter und einer dunklen Soße, in die man sich am liebsten hineinlegen würde. Kurzum, das geilste Brot, dass ich je gegessen habe.

BrotButter.JPG

„Scallops und Kaviar“, wenn man diesen Gang hört denken viele an Fine Dining und Sterneküche. Auch im LOCO steht dieser Gang auf dem Menü, doch was einen dann erwartet ist etwas völlig anderes. Auf dem Beistelltisch serviert entdeckte ich eine Jakobsmuschel serviert in der Schale, daneben eine Kaviardose und irgendeine rote Essenz. Vor dem Abflämmen der Jakobsmuschel, wird erklärt, dass es sich hier um Tintenfisch handelt, der sehr fein gekuttert wurde um dann mit flüssigem Stickstoff in die Form einer Jakobsmuschel gebracht wurde. Der Kaviar macht auch nur den Anschein von Fischrogen, es handelt sich dabei um die Tinte des Tintenfisches, welche mit Hilfe von dem ein oder anderen Pulver in die Form von Kaviar gebracht wurde Abgerundet wurde der Gang mit einer Essenz von Tomate. Zum Geschmack lässt sich einfach nur eines sagen: Tintenfisch!!! Ich mag diese kräftigen Aromen, einfach, klar und wenig Chichi.

DSC00104

Mein Fleischhighlight war die Rinderzunge, drei Tage bei 57 Grad Sous vide gegart. Die Zunge mit der kräftigen dunklen Sauce zergeht im Mund, aber auch die Konsistenz von Fleisch ist noch deutlich zu spüren, einfach ein sensationelles Mundgefühl. Serviert wird die Zunge mit Petersilie und eingelegten Senfkörnern in einer Perlzwiebel. Rund um ein perfekter Gang und für mich das absolute Highlight des Menüs.

RinderzungeEin kleiner Einblick in ein überragendes Menü. Das LOCO schafft es portugiesische Zutaten gepaart mit neuen Techniken perfekt auf den Teller zu bringen. Nicht nur Schein, sondern auch voller Geschmack ist hier garantiert. Sehr klare Aromen, aber mit einer unglaublichen Power dominieren das Menü. 18 Momente gibt es für faire 90€, ein absolutes Muss wenn man in Lissabon i(s)(ß)t.

Food Tour

Über tasteoflisboa.com habe ich eine Food Tour gebucht.  Ich habe mich für den „Downtown-Mouraria Food and Cultural Walk“ entschieden. Startpunkt war mitten in der Innenstadt gleich in der Nähe vom Square Pedro IV. Dort warteten unser Guide Rosa und 11 Gleichgesinnte, um sich in das kulinarische Leben von Lissabon zu stürzen.

Los ging es in einem kleinen Spezialitätenladen in dem von Schinken, Käse über Würste bis hin zum Bacalhau so ziemlich alles gab. Hier gab es einen portugiesischen Pata Negra Schinken (ja, es gibt ihn nicht nur in Spanien), ein gutes Bio Olivenöl aus Portugal, Ciabatta und einen herrlichen portugiesischen Rotwein.

DSC00231

Nachdem Pata Negra ging es ein paar Straßen weiter um sich dem portugiesischem Nationalgericht zu widmen. Bacalhaukroketten mit Tomatenreis, beides Grundnahrungsmittel in Portugal. Ja, als kulinarisches Highlight würde ich es nicht bezeichnen, aber man sollte es auf alle Fälle probieren. Bacalhau schmeckt einfach nur streng nach Fisch und Tomatenreis nach Tomaten und Reis in cremiger Konsistenz.

Bacalhau

Im Anschluss ging es quasi in die „Kneipe ums Eck“, dort gab es eine „Caldo Verde“ portugiesische Kohlsuppe, das typische portugiesische Fast Food „Bifana“, eine Schnitzelsemmel, mal paniert, mal Natur, aber immer mit viel scharfer Sauce und Senf. Ideal wenn man um 5 am Morgen aus dem Club fällt und noch ein leichtes Hungergefühl verspürt.

Nach der Kneipe ums Eck in es in das berühmt und berüchtigte Maurenviertel „Mouraria“, der Heimat des Fados und eine eigene Welt in der Mitte von Lissabon. Hier ging es in eine winzige Bar, um das portugiesische Nationalgetränk „Ginjinha“ zu verkosten. Ein sehr süßer Kirschlikör, der an jeder Straßenecke von Lissbon zu finden ist. Mein Tip, idealer Begleiter zu einem schokoladigem  Dessert.

Gestärkt vom Ginjinha, ging es weiter durch das Viertel in ein Bar/Restaurant in dem es ebenso etwas typisch portugiesisches gab „canned fish“, ja richtig Fischdosen. Ein Foodtrend in Portugal, auf den ich später in diesem Bericht noch eingehe.

„Cantinho do Aziz“, der nächste Stop in Mouraria. Ein mosambiquanisches Restaurant in Lissabon. Diese Kombination klingt nicht nur spannend, Sie ist auch spannend. Herrliche Samosas gab es für uns zum probieren. Nicht wie man Sie in Indien kennt, mit Curry oder Gemüse, sondern mit Hackfleisch gefüllt, dass ein herrliches, süßscharfes Aroma hatte. Dazu eine scharfe Sauce, die man erst zwei Tage später wieder vergisst.

Zum Abschluss ging es in die „Confeitaria Nacional“, Lissabons älteste Konditorei von 1829. Dort angekommen gab es den süßen Abschluss „Pastel de Belém“ und einen Espresso. Die kleinen Gebäckstücke bestehen aus Blätterteig, der mit einer Creme aus Eigelb, Zucker, Milch und Mehl gefüllt ist. Das Gebäck wird meist mir Puderzucker und Zimt bestreut gegessen.

Die Food Tour gibt einen kleinen Einblick in die Kulinarik von Lissabon, verbunden mit einem „cultural walk“. Unglaubliche kulinarische Genüsse dürfen nicht erwartet werden, aber die Tour bietet einen guten Einblick in die traditionelle Küche von Lissabon. Ein großes Lob gilt der Guide Rosa, die wirklich für Ihre Stadt lebt und es auch schafft, dass der Funke überspringt.

Timeout Market

Der Timeout Market liegt direkt am Cais de Sodre, einem der Dreh- und Angelpunkte von Lissabon, dort teilt er sich das Gebäude mit dem traditionellen Markt „Mercado de Ribeira“. Timeout Market bittet eine große Auswahl an Restaurants, die durch mehrere Bars ergänzt werden. Ebenso gibt es einen Bereich, in dem Kochkurse angeboten werden, auch gibt es die Möglichkeit ein paar Souvenirs oder „canned fish“ zu kaufen. Das Niveau der Restaurants reicht von bodenständig bis gehoben und für jedes Preisniveau ist etwas dabei. Da gibt es auf der einen Seite den „Würschtlstand“ und gegenüber kann man sich nach der Wurst die Languste direkt im Aquarium aussuchen. Meine persönliche Empfehlung ist die „Tartar – ia“. Der Name ist Programm, es gibt nur rohen Fisch, rohes Fleisch oder auch rohes Gemüse. Alles wird klein geschnitten und als Tartar serviert.

Timeout

„Canned fish“

Wie bei der Food Tour schon erwähnt gibt es in Portugal sehr viel Dosenfisch, ja sogar eigene Läden, welche ausschließlich Dosenfisch verkaufen. Warum widme ich mich Fisch, der vermeintlich in der Dose mehr als einmal gestorben ist?

Der Dosenfisch erlebt aktuell ein unglaubliches Revival in Portugal, dies hängt auch mit der Qualität zusammen, die vor allem bei den kleineren Manufakturen nur als hervorragend zu bezeichnen ist. Geschmacklich sind die Sardinen in Olivenöl mit Zitrone und der Pulpo in Olivenöl ganz weit vorne. Auf einem Sandwich oder in einem Salat wirklich mal eine völlig andere Alternative. Meine Empfehlung Besuch im Geschäft „Loja das Conservas“. Auch für den anti Fischesser sehenswert.

CannedFish

Lissabon ist für alle Foodies eine Reise wert. Es gibt sehr viel Traditionelles zu entdecken, aber auch die gehobene Küche und die Streetfoodkultur entwickelt sich extrem schnell weiter. Geprägt ist die Küche von Fisch- und Seefood. Das Preisniveau ist günstig bis moderat und abseits der Touristenpfade bekommt man für einen fairen Preis richtig was geboten.

 

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